Viele schieben den Zahnarztbesuch auf, weil sie aufgrund einer alten, schmerzhaften Erfahrung noch heute glauben, dass eine zahnärztliche Behandlung zwangsläufig mit Schmerzen verbunden ist. Dieser Beitrag geht die verbreitetsten Irrtümer der Reihe nach durch und zeigt, was tatsächlich dahintersteckt.
Mythos 1: „Beim Zahnarzt tut immer etwas weh“
Das ist heute eher eine Erinnerung als die Realität. Die Betäubungslösung schaltet die Nerven des behandelten Bereichs vorübergehend aus, daher lässt sich der Eingriff selbst, ob Füllung, Zahnentfernung oder größerer Eingriff, mit einer schmerzfreien Zahnbehandlung durchführen. Das Ziel ist nicht nur, die Behandlung zu erledigen, sondern auch, dass der Patient dabei keine Schmerzen erlebt; Eingriffe, die eine Betäubung erfordern, werden deshalb entsprechend durchgeführt.
Mythos 2: „Der Nadelstich ist unerträglich“
Die Angst vor dem Stich ist einer der häufigsten Gründe, warum jemand den Zahnarzt meidet. In der Praxis lässt sich aber schon die Injektion selbst mit weniger Unannehmlichkeiten verbinden: Auf die zu betäubende Fläche wird zuvor Lidocain-Spray aufgetragen, das das Stichgefühl der Nadel auf ein Minimum reduziert. Außerdem trägt das richtige Spannen des umliegenden Gewebes dazu bei, dass die Lösung gleichmäßig und weniger spürbar eindringt.
Mythos 3: „Wenn es einmal wehgetan hat, tut es beim nächsten Mal wieder weh“
Alte, unangenehme Erfahrungen lassen sich häufig auf technische und instrumentelle Ursachen zurückführen, nicht darauf, dass die Betäubung von vornherein mit Schmerzen verbunden wäre. In den letzten Jahren haben sich auch die Wirkstoffe der Betäubungslösungen selbst weiterentwickelt; die heute verwendeten Präparate sind deutlich besser als frühere Generationen. Außerdem spielen zwei technische Faktoren eine große Rolle. Zum einen enthält die Betäubungslösung in geringer Menge auch Adrenalin, das die umliegenden Gefäßwände zusammenzieht, die Blutung dämpft und die Aufnahme der Lösung verlangsamt, sodass auch weniger Lösung ausreicht und die Wirkung länger anhält. Zum anderen zählt die Geschwindigkeit der Verabreichung: Je langsamer und gleichmäßiger die Lösung ins Gewebe gelangt, desto weniger ist sie spürbar. Dabei kommt es nicht unbedingt auf eine bestimmte, lange Dauer an, sondern auf das Verhältnis: Schon wenn die Verabreichung statt der früheren 1–2 Sekunden 5–10 Sekunden oder sogar länger dauert, macht das viel aus. Wichtig ist allerdings, die Erwartungen realistisch zu halten: Lidocain-Spray und langsame Dosierung verringern gemeinsam die Unannehmlichkeiten spürbar, das bedeutet aber nicht, dass man den Stich überhaupt nicht spürt. Es geht vielmehr darum, dass es sich im Vergleich zu früheren Erfahrungen um ein deutlich milderes und kürzeres Erlebnis handelt.
Mythos 4: „Wegen meiner Angst würde ich die Behandlung sowieso nicht durchstehen“
Bei manchen Menschen ist die Angst so stark, dass nicht der Schmerz eines bestimmten Eingriffs, sondern schon der Gedanke an die Behandlung das Hindernis darstellt. Für Patienten mit ausgeprägter Zahnarztangst kann in erster Linie eine Sedierung (Dämmerschlaf) die Lösung sein: Sie löst die Angst und entspannt den Patienten erheblich, während er während des Eingriffs wach bleibt und mit dem behandelnden Arzt zusammenarbeiten kann. Wenn die Angst noch stärker ist oder die Art des Eingriffs es rechtfertigt, ist auch eine zahnärztliche Behandlung unter Vollnarkose eine verfügbare Lösung: Diese führt ein erfahrenes Anästhesieteam durch, und der Patient wird sich später nicht an die Behandlung erinnern. Letzteres ist bei einer einfachen Füllung oder Zahnentfernung nicht der erste Weg, sondern eher eine Alternative für Menschen, bei denen die Angst ein echtes, ernstes Hindernis darstellt.
Woher kommt die Angst vor dem Zahnarzt eigentlich?
Die Zahnarztangst lässt sich selten auf eine einzige Ursache zurückführen. Häufige Faktoren sind eine frühere, als schmerzhaft erlebte Behandlung, das Gefühl des Kontrollverlusts (wir sehen nicht, was in unserem Mund passiert), das Geräusch des Bohrers oder einfach die Ungewissheit darüber, was als Nächstes passiert. Der genaue Anteil hängt davon ab, wie Angst gemessen und definiert wird: Laut einer weltweiten systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse aus dem Jahr 2026, die gezielt hohe zahnärztliche Angst untersucht, leiden rund 18 % der Erwachsenen unter hoher Zahnarztangst, während laut einer früheren Übersichtsarbeit mit weiterer Definition 15,3 % der Erwachsenen von Zahnarztangst oder -furcht irgendeiner Stärke betroffen sind. Die vorliegenden Studien sprechen also übereinstimmend von einem erheblichen Anteil der erwachsenen Bevölkerung, nämlich jedem siebten bis fünften Menschen.
Was können Sie selbst tun, um die Angst zu verringern?
Einige praktische Schritte können helfen, den Zahnarztbesuch weniger belastend zu machen:
- Sprechen Sie vorher darüber. Wenn Sie dem behandelnden Arzt sagen, dass Sie Angst vor der Behandlung haben, kann er Tempo und Erklärungen darauf abstimmen.
- Bitten Sie um laufende Information. Vielen hilft es, wenn ihnen Schritt für Schritt erklärt wird, was passieren wird, bevor es passiert.
- Schieben Sie die regelmäßige Untersuchung nicht auf. Das Aufschieben führt oft dazu, dass sich ein anfangs kleines Problem unbemerkt verschlimmert und am Ende ein größerer, möglicherweise tatsächlich unangenehmerer Eingriff nötig wird.
- Nutzen Sie einfache Beruhigungstechniken. Vielen Patienten hilft langsames, tiefes Atmen vor und während der Behandlung.
- Wenn Ihre Angst sehr stark ist, sagen Sie es vorher. So lässt sich in der Beratung besprechen, ob eine Sedierung (Dämmerschlaf) ausreicht oder ob eine Behandlung unter Vollnarkose für Ihre Situation eher angezeigt ist.
Wann sollten Sie mit einer Fachperson über die Angst sprechen?
Wenn die Zahnarztangst Sie seit Jahren daran hindert, überhaupt zu einer Untersuchung zu gehen, sollten Sie dies bei einer kostenlosen Beratung ausdrücklich ansprechen. Eine gute Beratung dreht sich nicht nur um den Zustand der Zähne: Sie ist auch die Gelegenheit, zu sagen, wovor Sie Angst haben, und gemeinsam zu überlegen, in welchem Tempo und mit welcher Methode, ob mit Sedierung oder bei Bedarf mit Vollnarkose, es sinnvoll ist, vorzugehen.
Wenn die Angst vor dem Zahnarzt Sie bisher von einer Untersuchung abgehalten hat, vereinbaren Sie eine kostenlose Beratung, und wir besprechen gemeinsam, was am besten zu Ihrer Situation passt.